Liebesfilme, Actionfilme,... Parkfilme. Wir zeigen euch 7 Kurzfilme, bei denen sich (fast) alles um Parks dreht. Ähnlich einer DVD (aber ganz internetmäßig) gibt's dazu hochexklusive Bilder, Outtakes, Anekdoten und Infos.

Die Parkfilme sind für euch umsonst, aber ihr könnt unsere Arbeit mit einer kleinen Spende unterstützen. Im Gegenzug versüßen wir euch hoffentlich für ein paar Augenblicke euren Alltag.

Bleibt stehen, schaut euch um und schmeißt was in den Hut, wenn es euch gefällt. Das hier ist Straßenkunst 2.0..... Allez! Vorhang auf und Park frei!



Helft uns und ladet eure Freunde hierher ein:



 1. DÉJÀ-VU 

Das Drehbuch zu Déjà-vu stammt von Thomas Grysko und enthält ursprünglich keine Szenen- oder Ortsbeschreibung. Ich hatte zu der Zeit gerade den holländischen Künstler Teun Hocks entdeckt, der sich in seinen Bildern immer wieder als tragik-komischer Außenseiter inszeniert. Ein melancholischer Pechvogel, fast ein gealterter Buster Keaton, der sein monotones Dasein meist in den Weiten einer kargen Ödnis fristet. Sehnsucht trifft auf Hoffnungslosigkeit, und der Humor mit der Hocks sein Alter-Ego in Szene setzt, lässt uns diesen armen Anti-Helden nur noch mehr ans Herz wachsen.

Ein Bild hatte es mir besonders angetan: Hocks steht im Anzug auf einer Eisscholle, sein Schirm, sein Hut und seine Aktentasche treiben auf drei weiteren Eischollen in verschiedene Richtungen. Die Dinge entgleiten ihm, fließen wortwörtlich davon. Aufgeregt rief ich Thomas an und sagte: „Ich hab‘s wir machen das im Wasser!“ Und so kam es dann auch.

Dabei war es gar nicht so leicht, einen passenden Tümpel im Weimarer Umland zu finden. Wenn das Ambiente stimmte, musste das Gewässer ja auch noch die richtige Wassertiefe haben. In mehreren Exkursionen fuhren wir alle hellblauen Flächen auf unser Google-Maps Karte ab: Von Pütze bis Talbachsperre – wir haben sie alle gesehen. Und getestet. Stichwort Faulgase.
Gedreht haben wir schließlich an (bzw. in) einem Seitenarm der Saale, auf einem Campingplatz bei Jena. Das stellte sich als großes Glück heraus, denn wir hatten die Arbeit im Wasser ganz schön unterschätzt. Nach vier Takes waren Fabian und Gregor so durchgefroren (trotz des sommerlichen Wetters), dass wir sie eine halbe Stunde unter die heiße Dusche stellen mussten. Das Licht nahm auch langsam ab – und bisher hatten wir noch keine akzeptable Fassung im Kasten.

Dazu kam noch ein technisches Problem: Fabian sollte am Anfang möglichst lange unter Wasser "ausharren", doch er blieb einfach nicht unten und trieb immer wieder an die Oberfläche. Schließlich banden wir mit meinem Gürtel ein Gewicht (von unserem kleinen Kamerakran) an Fabians Bein. Allen war klar: dit muss jetzt aber klappen. Der fünfte Take saß dann auch (und wurde zu „Déjà-vu“), Nummero 6 („zur Sicherheit“…) war schließlich jenseits von gut und böse:




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 2. SONNTAGS 

Sonntags wurde an zwei Tagen hintereinander in zwei Fassungen gedreht: digital im Park und tags drauf auf Super8 in einer U-Bahnstation. Dabei sollte der erste Tag quasi als Testlauf herhalten für den zweiten, wo alles beim ersten Versuch klappen musste. Denn mit Sundays (so der Titel der S8-Fassung) nahmen wir beim Londoner Straight8-Festival teil und da hieß es: schneiden (im Nachhinein) verboten. Man bekam eine markierte Filmrolle zugesandt und schickte das belichtete Material dann ans Festival zurück. Erst bei der Premiere konnten wir schließlich sehen, was aus unserem Werk geworden war.
Und so habe ich den (streckenweise übrigens äußerst unterbelichteten…) Film auch nur ein einziges Mal bei einem Screening in Berlin gesehen – mittlerweile scheint die einzige Kopie irgendwo in den weiten Londons verschollen zu sein. Zum Glück gibt es noch die digitale Fassung, die ja ursprünglich nur als Skizze gedacht war…

Die feine Musik stammt von den Jungs von O-Pistole! und wurde passgenau auf den schon fertigen Schnitt des Films gebastelt. Und die Sequenz mit dem Buch war übrigens eine Nummer aus der Circusshow HALB DREI IM PARK (schon wieder im Park…) unserer Compagnie Circontraire. So sahen wir beim Proben aus:




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 3. MEIN SCHLAFSACK 

Der Schlafsack war ursprünglich Teil der Kurzfilmreihe One Minute Stories. Das Projekt war eine Spielwiese und ein Experiment zu gleich: schafft man es eine Geschichte in einer Minute erzählen? Welche Erzählungen eignen sich dafür? Alltagsdramen? Momentaufnahmen?

Genau diese Fragen stellten sich dann auch als größter Knackpunkt heraus. Es war durchaus machbar, jede Woche einen kleinen Film zu drehen und zu schneiden. Aber sich jede Woche eine erzählenswerte Geschichte auszudenken, und diese dann auch noch in einer Minute auf den Punkt zu bringen, war nicht immer leicht. Gut Ding will eben doch manchmal Weile haben...

Die Schlafsack-Episode basiert auf einem Facebook-Eintrag eines alten Bonner Freundes. Ich hatte dazu aufgerufen mir Ideen und Erlebnisse zu schicken, die man in einer Minute verarbeiten kann. Und er schrieb nur diese eine Zeile: Ist mein Körper der Schlafsack meiner Seele? Heute und nach einigen Recherchen weiß ich: der Satz stammt, in leicht abgewandelter Form, aus dem kleinen Band "Findet mich das Glück" vom Künstlerduo Fischli/Weiss.


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 4. IMMER SO KALT DRAUßEN 

IMMER SO KALT DRAUßEN ist unheimlich schnell entstanden. Die erste Fassung des Drehbuchs hatte ich an einem Nachmittag runtergeschrieben, in den Tagen darauf kam noch ein Epilog dazu. Einen guten Monat später haben wir dann auch schon gedreht, relativ entspannt an drei halben Tagen im Verlauf einer Woche. Richtig Glück hatten wir auch mit dem Wetter: Der Sonntagnachmittag im Park war tatsächlich der letzte schöne Herbsttag des Jahres.

Die Schwimmbadszene war ein großer Spaß. Wir waren zu viert (inklusive Raha) und hatten im Schwanseebad in Weimar für 27 € eine Bahn gemietet. Über den Bademeister konnten wir uns vom DLRG ein Rettungsboot leihen, das wir dann an einem langen Seil vor der schwimmenden Raha durchs Wasser zogen. Auf den anderen Bahnen neben uns fand währenddessen der reguläre Schwimmunterricht statt.
Für alle die beim Abspann gestutzt haben: Die männliche Figur wird von zwei Schauspielern gespielt. Fabian Kloiber leiht dem Protagonisten seine Stimme in den eingesprochenen Monologen, Thomas Grysko verkörpert ihn wild diskutierend im Bild in der Szene im Park. Der Dialog der Beiden, war übrigens improvisiert und bei jedem Take (ich glaube es waren um die 15 – wegen der Passanten) völlig anders. Immer wenn die zwei bei uns und der Kamera vorbei kamen, waren sie in einen neuen, meist ziemlich konfusen, Streit verstrickt.

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 5. ICH SEHE ALLES 

ICH SEHE ALLES war der erste „richtige“ Kurzfilm, den ich gemacht habe. Wir waren ziemlich gut vorbereitet, für alle Aufgaben gab es ausreichend helfende Hände, es gab ein Foto-Storyboard an dem sich alle orientieren konnten, was wann wie gedreht wird und eine super Produktionsleitung hielt mir den Rücken frei.

(Marie hatte am Abend des ersten Drehtags mitbekommen, dass am nächsten Tag im Park mit großen Maschinen die Wiese gemäht werden sollte. Wir hatten eine Drehgenehmigung für drei Tage, offensichtlich war da auf irgendeinem Schreibtisch etwas durcheinander geraten. Ohne mich zu informieren fuhr Marie am nächsten Morgen zwei Stunden früher in den Park, um mit den Rasenmäherjungs eine Lösung zu finden. Ich selbst erfuhr erst davon, als der zweite Tag fast rum war.)

Natürlich war ich trotzdem ziemlich nervös, bei vielen Dingen wusste ich einfach nicht, wie man das macht. Und dann war ich der Chef, alles hörte ja auf mein Kommando. Irgendwie hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, dass ich gleich ertappt werde und alle mitkriegen, dass ich gar nicht so genau weiß, was ich da eigentlich mache.

Rückblickend denke ich: das Gefühl, das mir da gleich einer auf die Schliche kommt war völlig angebracht, ich war ja wirklich ganz schön unwissend. Vor allem wusste ich nicht, WARUM ich das alles eigentlich machte. Warum ich eine Geschichte über Stalking erzählen wollte, wie ich eigentlich zu dem Thema stand, warum ich genau DIESE Geschichte erzählen wollte. Eine wichtige Erfahrung.



Eine weitere gelernte Lektion: wir hatten die Geschichte in sehr viele einzelne Kamera-Einstellungen aufgelöst. Das heißt, dass wir immer nur sehr kurze Teile am Stück gedreht haben und so der Fluss einer Szene beim Dreh immer wieder unterbrochen wurde. Das hatte nicht nur schauspielerische Auswirkungen, auch im Schnitt waren wir deswegen relativ eingeschränkt und mussten uns recht genau an unsere Vorlage halten.

Noch ein paar Worte zur Musik: Bei ICH SEHE ALLES habe ich das erste Mal versucht, ein Teil der Musik schon vor dem Dreh zu bekommen. Omar Ineid, mit dem ich schon vorher an einigen Projekten zusammen gearbeitet hatte, schickte mir schon in der Vorbereitung und auf der Basis des Drehbuchs ein erstes Stück. Das war sehr inspirierend und half mir, schon vor dem Dreh, ein Gefühl für die Atmosphäre zu bekommen. Das Stück wurde zu Claras Hauptthema, hier ist es in voller Länge:




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 6. 2173 

Der Parkfilm, der keiner ist. Sozusagen, die Ausnahme, die allen Regelwerken innne wohnt. 2173 hieß ursprünglich 150 und war mein Bewerbungsfilm für die Bauhaus-Uni in Weimar (wo ich heute studiere). Für die Bewerbung durfte der Film nicht länger als 2 1/2 Minuten sein – und war daher leider viel zu schnell erzählt. Letztes Jahr habe ich mir das Material dann noch einmal vorgenommen und eine neue Schnittfassung erstellt, bei der die Zuschauer nicht mehr so durch den Film gepeitscht werden.

In seiner Thematik und seinem Stil ist der Film klar inspiriert von zwei Werken der Nouvelle Vague:

LA JETÉE (Chris Marker, 1962), der später als Vorlage für Luc Bessons TWELVE MONKEYS diente:




FAHRENHEIT 451 (Francois Truffaut, 1966), die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ray Bradbury:



Für die Tonspur habe ich wieder mit Philipp Wartenberg zusammengearbeitet (der auch schon die Ballettstunde vertonte), diesmal galt es nicht nur durch Musik bzw. Klänge die Atmosphäre zu gestalten, sondern auch die fehlende Bewegung und den fehlenden Original-Ton zu erzählen. Der Sound trägt so ganz entscheidend dazu bei, dass die starren Bilder zum Leben erweckt werden. Zusammen mit der Fantasie der Zuschauer werden so die Lücken zwischen den Momentaufnahmen gefüllt.

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 7. PISS IN DEN WIND 

Eigentlich sollte aus PISS IN DEN WIND überhaupt kein Kurzfilm werden. Für einen Uni-Kurs hatten wir eine Art Übereck-Projektion entwickelt, eine Videoinstallation, die in eine Raumecke projiziert wird. Piss in den Wind war eines der Videos, die in der Ausstellung in diesem Set-up gezeigt wurden, die beiden Bilder standen also im 90°-Winkel zueinander (etwas anschaulicher erkärt hier und hier). Mit angepasstem Seitenverhälnis der beiden Bilder (es galt den Inhalt von zwei Bildschirmen auf einem unterzubringen) entstand schließlich die "2D-Fassung" des Videos.

Der Dreh war Guerilla-Filmaking in Reinform: Wir waren ein winziges Team, hatten keine Drehgenehmigungen und nutzen einfachste Technik. Unsere Tonangel bestand aus einem Besenstil an den wir ein kleines Aufnahmegerät gegaffert hatten. Bei jedem Take trank Fabian etwa eine halbe Dose Bier. Es war richtig kalt. Von der Aufnahme wo ich im Park Gitarre spiele haben wir nur zwei Takes gemacht – danach wollten meine Finger nicht mehr.

Hier sind wir bei der Arbeit:




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 EXTRA-BONUS-DELUXE-SPEZIAL 

 SCHOKO 
 ST. JAMES´S PARK 
Noch eine One Minute Story, die in einem Park spielt. Ein Schoko Eis, ein Buch (von Neil Gaiman!), eine Parkbank. Alles weitere ist eine großartige Improvisation von Olga Prokot.
Wohl eher historisch interessant: das erste kleine Video, das ich je gemacht habe. Ever. Gewappnet mit Fotoknipse und dem guten Windows Movie Maker entstand damals (im Sommer 2007) ein kleines aber feines Parkportrait.









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